Flugplatzgeschichte Großenhain
  1919 bis 1945
 
Der Fliegerhorst (1919-1945)

Trotz der Bestimmungen des Vertrages von Versailles, der Deutschland den Unterhalt einer Luftstreitmacht verbot, hoffte die Reichswehr zunächst, sich eine Fliegertruppe erhalten zu können. Versuche, die Militärflieger zu Polizeifliegern zu deklarieren und so zu erhalten, gab es auch in Sachsen. Doch die Siegermächte bleiben hart. Nach letzten Einsätzen über der Stadt Leipzig im März 1920, bei denen der erfolgreichste sächsische Weltkriegsflieger, Franz Büchner (40-facher Luftsieger im 1.Weltkrieg), sein Leben verlor, sowie gegen die Rebellen des Anarcho-Kommunisten Max Hölz im Erzgebirge, wurde der Fliegerhorst Großenhain am 20. Mai 1920 wieder aufgelöst. Die Interalliierte Überwachungskommission kontrollierte dies.
 
Dennoch wurden in die Formationen der Landespolizei, von denen eine in der ehemaligen Fliegerkaserne stationiert wurde, viele ehemalige Flieger aufgenommen. Sie sicherten das Fortleben des Platzes als Notlande- und Verkehrslandeplatz personell ab.
 
ein Bild
 
 Sitzend 3.v.r. Oberwachtmeister Rothe - ex-Jagdflieger bei Jasta 14
(Foto: Sammlung Heerde)


Die ehemaligen Militärflugzeughallen wurden abgerissen – nur zwei blieben erhalten. In der Fliegerkaserne selbst und in zwei neuen Gebäuden entlang der Elsterwerdaer Straße entstanden Notwohnungen für Bedürftige. Auf Teilen des Flugplatzgeländes entstaden Gartenparzellen. Die alte Werft und der Autoschuppen lebten als Bestandteil der in den 20er Jahren neu errichteten Großenhainer Papierfabrik fort. Die ehemalige Flugzeughalle 5 wurde teilweise als Tennishalle genutzt und ein Sportplatz auf dem Flugplatzgelände errichtet.
 
ein Bild
 
 Turner angetreten zum 16. Gau-Turnfest am 9./10. Juli 1927
(Foto: Stadtarchiv Großenhain)


Bereits 1921 wurde die „Fliegervereinigung Großenhain“ begründet, die unter wechselnden Namen versuchte, die fliegerischen Traditionen am Leben zu erhalten. Der Vereinigung gelangen die Vergrößerung des verbliebenen Notlandeplatzes und die Organisation zahlreicher fliegerischer Veranstaltungen. Im Jahr 1927 wurde das 1916 errichtete Fliegerehrenmal, welches der Steinmetz und spätere Jagdflieger Richard Paul Rothe im Auftrage von Horst von Minckwitz´ geschaffen hatte, vom Flugplatzgelände in den Stadtpark versetzt. Die damit verbundene Wiedersehensfeier „alter“ Flieger am 27./28. August 1927 und der Besuch des Ozeanfliegers Hermann Köhl am 7. Oktober 1929 stellten herausragende Ereignisse in der Geschichte der Großenhainer Flieger dar.
 
 ein Bild
 
 Die "Bausteine" sollten beim Erwerb eines Segelfugzeuges helfen.
(Foto: Sammlung Heerde)


Im Jahr 1933 wurde der bisherige Flugplatzförderer und Bürgermeister Großenhains, Max Hotop, abgesetzt. Kommissarischer Bürgermeister wurde Paul Dietze, ein ehemaliger Angehöriger der Großenhainer Feld-Flieger-Abteilung 24. Als lokale NSDAP-Größe sorgte er für die politische Gleichschaltung des Fliegervereins und stellte die Weichen für eine erneute militärische Nutzung des Flugplatzgebietes. Das Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes der Reichswehr wurde – zunächst noch getarnt – 1935 auch zum Gelände des neuen Fliegerhorstes der Wehrmacht. Der Bau der entsprechenden Unterkunftsgebäude und Flugzeughallen sowie der neuen Flugzeugwerft erstreckte sich bis in den 2. Weltkrieg hinein.
 
ein Bild
 
Weltkriegsflieger Loerzer trägt sich 1934 ins Gästebuch ein
(Foto: Sammlung Heerde)


ein Bild
 
 Zwei Do 17 und vier Messerschmitt 109-Jäger am 2. Juli 1939
(Foto: Sammlung Heerde)


Genutzt wurde der Flugplatz vor allem für die Ausbildung von Aufklärungsfliegern, von denen viele während des Spanischen Bürgerkrieges 1936-1939 zum Einsatz kamen. Im 2. Weltkrieg trat an die Stelle des bei Kriegsbeginn abgerückten Aufklärungsgeschwaders 11, dessen Bezeichnung wiederholt geändert worden war, eine Aufklärungsschule aus Braunschweig. Sie testete auch das asymmetrische Aufklärungsflugzeug Blohm & Voss Bv 141 auf seine Truppentauglichkeit. Gegen Kriegsende wurden dann Strahlflugzeuge vom Typ Arado Ar 234 nachgerüstet. Jagdflieger (z.B. JG 27), Schlachtflieger (z.B. SG 2), Transportflieger (z.B. TG 2) und natürlich Aufklärer belegten den Fliegerhorst 1944/45.
 
Dennoch schien der Flugplatz den Luftstreitkräften der Alliierten einen Bombenangriff nicht wert zu sein oder man schonte ihn bedacht für die eigene spätere Nutzung. Nur eine einzige der durch die Luftwaffe errichteten Flugzeughallen (Nr.1) wurde durch den Notabwurf eines angeschlagenen feindlichen Bombers beschädigt. Bei der Räumung des Fliegerhorstes im April 1945 wurden viele Flugzeuge in diese bereits beschädigte Halle geschoben und dann mit dieser zusammen gesprengt. In der Nacht vom 23./24. April 1945 besetzte die Rote Armee Großenhain. Ein von vornherein zum Scheitern verurteilter letzter Gegenangriff zusammengewürfelter deutscher Verbände am 1. Mai 1945 änderte nichts mehr an diesem Sachverhalt, obwohl vier deutsche Panzer bis auf das Flugplatzgelände gelangt sein sollen.
 
Wer sich ausführlicher über die Geschichte des Flugplatzes Großenhain informieren möchte, der kann das Buch „Flugplatz Großenhain – Historischer Abriss“ über die folgende e-Mailadresse sofort direkt beim Verlag bestellen: keil@satztechnik-meissen.de
 
 
  Heute waren schon 3 Besucher (19 Hits) hier!