Flugplatzgeschichte Großenhain
  1945 bis 1993
 
Der sowjetische Militärflugplatz (1945-1993)
 
Am 2. Mai 1945 erhielt die 9. Garde-Jagdfliegerdivision des dreifachen Helden der Sowjetunion – Alexander Pokryschkin (1913-1985) – den Befehl, nach Großenhain zu verlegen. Flieger seiner Division besichtigten auf dem Fliegerhorst, den sie als vorbildlich eingerichtet ansahen, verlassene Flugzeuge verschiedenster Art, darunter Me 262 und US-Bomber. Von Großenhain aus startend gelang Fliegern der Gardeeinheit am 9. Mai 1945 gegen 19.20 Uhr der letzte Abschuß eines deutschen Flugzeuges im Raum Prag.
 
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Sowjetische Fliegeroffiziere 1945, Pokryshkin als 2.v.r.
(Foto: Sammlung Heerde)

 
In der Zeit der Existenz des sowjetischen Militärflugplatzes belegten verschiedene Jagdflieger- und seit Beginn der 60er Jahre generell Jagdbombereinheiten den Flugplatz.
Die Start- und Landebahn wurde wiederholt ausgebaut und nach den Erfahrungen des sogenannten „Sechs-Tage-Krieges“ im Jahr 1967 erhielten die sowjetischen Flugzeuge anstatt der bisherigen offenen Splitterboxen geschlossene Bogendeckungen. Bei Bauda – 7 km nordwestlich des Flugplatzes – stationierte Fla-Raketen übernahmen den Schutz der Flieger.
 
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Zweigeschossiger Bunker der sowjetischen Flugleitung
 
(Foto: Sammlung Heerde)
 
Die Stationierung bzw. der Einsatz von Militärflugzeugen ist selbst in Friedenszeiten immer wieder mit Verlusten verbunden – das galt auch für die sowjetischen Strahlflugzeuge in Großenhain. Der Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr Großenhain, Heinz Kretschmar, schätzte die Anzahl der im Raum Großenhain und Umgebung im Laufe der Jahre abgestürzten Maschinen auf mindestens 15. Besonders spektakulär war der Absturz einer startenden Maschine am 14. Mai 1966. Dieses Strahlflugzeug gewann nicht genug Höhe, streifte Dächer und durchschlug dann ein Haus in Höhe des 1. Stockes, bevor die Reste auf einer Freifläche dahinter zum Liegen kamen. Der Pilot kam dabei ums Leben, eine Frau aus Folbern wurde leicht verletzt. Nach Meinung vieler Großenhainer handelte es sich um einen MiG-Typ, nach Einschätzung des Autors dieser Webseite jedoch eher um eine der Suchoi Su-7B, die damals etatmäßig in Großenhain stationiert waren.
 
Diese ständige Bedrohung der Gesundheit und des Lebens der Bürger sowie extremer Fluglärm überschatteten das Verhältnis der Großenhainer zu den Fliegern. Versuche, das gespannte Verhältnis zu entkrampfen, fruchteten nicht nachhaltig. So ist es nicht verwunderlich, daß sich ab Spätherbst 1989 massive Proteste der Bevölkerung der Region Großenhain gegen die Existenz des sowjetischen Militärflugplatzes richteten. Doch es sollten noch mehrere Jahre vergehen, bis wirklich das letzte Militärflugzeug der Westgruppe der Streitkräfte den Flugplatz Großenhain verließ. Am 15. und 16. August 1992 begründeten die sowjetischen Flieger die spätere Tradition der großen Flugveranstaltungen in Großenhain mit einer Flugschau ihrer Militärmaschinen auf dem Flugplatz Großenhain.
 
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MiG-27D in der ehemaligen Werfthalle der 30er Jahre
(Foto: Sammlung Rieß)


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Generalmajor Posrednikow und Landrat Ibisch (in MiG-29)

(Foto: Sammlung Flämig)
 
Parallel zu den Vorbereitungen des Abzuges der Luftstreitkräfte der nunmehrigen GUS (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) liefen Vorbereitungen der späteren zivilen Nutzung des Flugplatzes. Verschiedene Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit den technischen, organisatorischen, ökologischen und wirtschaftlichen Fragen der zukünftigen friedlichen Nutzung des Flugplatzes. Diese Arbeiten waren nicht unumstritten, da viele Bürger nach ihren negativen Erfahrungen mit der Militärluftfahrt sich vehement gegen jeglichen weiteren Betrieb des Flugplatzes wendeten. Letztlich wurde aber bereits Monate vor dem endgültigen Abflug des letzten Transporters der GUS-Truppen (20. August 1993) beschlossen, den Flugplatz als Zivilflugplatz weiter zu nutzen.
 
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