Flugplatzgeschichte Großenhain
  Kurzbiographien
 
Karl Beck - Luftkriegshistoriker

 
(Fotoqualität leider nicht publikationswürdig)

Karl Alois Beck wurde als Sohn eines Kunst- und Handelsgärtners am 18. Mai 1886 in Regensburg geboren. Nach Besuch der Volks- und Realschule war er als kaufmännisch-technischer Angestellter in leitender Stellung in  Unternehmen der Großindustrie in Berlin und Nürnberg tätig. Nach Beginn des 1. Weltkrieges diente er als Meldegänger im bayerischen Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 14. Im Jahr 1916 meldete er sich zur Fliegertruppe. Nach Ausbildung beim Armee-Flug-Park A in Straßburg und Kommandos bei den Flieger-Ersatz-Abteilungen in Halle/Saale und Schleißheim/Bayern sowie Kursen bei Daimler-Benz und Bosch kam er zur Jagdstaffel 32. Nach eigenem Bekunden bewog ihn unter anderem der dortige Kontakt mit dem erfolgreichen Flieger Windisch aus Dresden, sich der Geschichte der sächsischen Weltkriegsflieger anzunehmen. Inzwischen in Leipzig wohnhaft stellt er sich nach 1933 als selbsternannter Historiker in den Dienst der neuen Machthaber. Er schrieb Artikel für Zeitungen und Fachzeitschriften und hielt Radiovorträge über die sächsischen Fliegerhelden Immelmann, Windisch und Büchner. Auch mit der Gestaltung von Ausstellungen über die Kriegsfliegerei und die Fertigung von Fotochroniken wirkte er im Sinne der NS-Bewegung. In Großenhain wurde er besonders im Zusammenhang mit den Feiern des 25-jährigen Jubiläums des Bestehens des Fliegerhorstes im Jahr 1939 aktiv. Mit einer Widmung in der von ihm verfassten Festschrift der Stadt Großenhain, datiert auf den 5. April 1943, enden die über ihn bisher verfügbaren Informationen. 



Hugo Dietze - Fliegeroffizier und NS-Funktionär 


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(Foto: Sammlung Täger)

Hugo Paul Dietze wurde am 9. Juni 1884 in Leipzig als Sohn eines Gymnasialoberlehrers geboren. Nach Besuch der Bürgerschule und des König-Albert-Gymnasiums schlug er eine Offizierslaufbahn ein. 1909 sah er bei einem längeren Besuch Flugvorführungen der englischen Armee in Bournemouth, die ihn für die Fliegerei begeisterten. Dietze meldete sich 1910 zur Fliegertruppe und absolvierte ab Anfang 1913 einen Lehrgang an der Fliegerschule in Leipzig-Lindenthal. Er erwarb das Flugzeugführerabzeichen und diente später auf der Fliegerstation Posen. Im August 1914 rückte Paul Dietze mit Feld-Flieger-Abteilung 24 ins Feld. Im März 1915 zum Rittmeister befördert führte er erst Artillerie-Flieger-Abteilung 201, dann Kampfstaffel 41 und schließlich bis Ende Oktober 1918 die Flieger-Abteilung (Artillerie) 255. Er erhielt eine ganze Reihe von Auszeichnungen, darunter die höchste sächsische Tapferkeitsauszeichnung, das Ritterkreuz des Militär-St. Heinrichs-Ordens. In der Schlacht an der Somme wurde er im Luftkampf verwundet. Kurz vor der Revolution wurde er im November 1918 als Kommandeur der FEA 6 nach Großenhain versetzt. Danach diente er bei der 2. Grenzjägerbrigade als Kommandeur der Kraftfahrtruppe. Nach vier Semestern Studium an der Handelshochschule in Leipzig arbeitete er als Kaufmann. In Großenhain war er im Fliegerverein tätig. Im Jahr 1931 trat Dietze in die NSDAP ein und war politischer Ausbilder in den Parteiorganisationen. 1933 wurde er vorübergehend kommissarischer Bürgermeister Großenhains. Im August 1933 wurde Dietze in das Ministerium d. Innern (Luftamt) berufen. Als Landesgruppenführer des Reichsluftschutzbundes, Landesgruppe Land Sachsen, und außerordentliches Mitglied des Seminars für Luftschutz an der TH Dresden wirkte er an den Kriegsvorbereitungen im Bereich des Luftschutzes sowie der Gleichschaltung der Fliegervereinigung in Großenhain mit.

 
Max Hotop - Bürgermeister und Flugplatzförderer 
 

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(Foto: Archiv Großenhain)

Hermann Max Hotop wurde am 16. November 1874 als Sohn eines Arztes in Geising im Erzgebirge geboren. Er besuchte das Gymnasium in Freiberg und studierte an der Universität Leipzig Jura. Ab 1896 arbeitete Hotop als Referendar beim Amtsgericht Oelsnitz/Vogtland, später bei der Staatsanwaltschaft und dem Landgericht in Leipzig. Ab 1900 war er beim Rat zu Zittau angestellt und seit Mai 1902 als besoldeter juristischer Stadtrat in Döbeln. Unter 33 Bewerbern ausgewählt wurde Max Hotop am 5. April 1905 der 7. berufsmäßige Bürgermeister Großenhains. Mit einem Lebensalter von 30 Jahren war er damals der jüngste Bürgermeister Sachsens. 1906 wurde er zum Bürgermeister auf Lebenszeit gewählt. Die Entwicklung der Stadt Großenhain in der späten Kaiserzeit und während der Weimarer Republik wurde wesentlich durch seine Tätigkeit geprägt. Er verfügte über reiche Verwaltungskenntnisse und versuchte redlich das Beste für die Stadt durchzusetzen. So kaufte die Stadt ein Areal am Kupferberg, das als Waldpark bepflanzt wurde und eine Rodelbahn erhielt. Auch die Rittergüter Naundorf und Zschieschen wurden erworben. 1913 setzte sich Max Hotop für die Errichtung der Fliegerstation in Großenhain ein. Durch den Erwerb des Geländes für die Anlage des zukünftigen Flugplatzes sicherte er dessen Bau für die Stadt Großenhain.
Auch in den Jahren nach Ende des 1. Weltkrieges blieb er ein Förderer der Luftfahrt. Der Fliegerverein in Großenhain ernannte ihn zu seinem Ehrenmitglied. Zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum im Jahr 1930 wurde die Berliner Straße, auf der er seit 1912 wohnte, ihm zu Ehren in Hotopstraße umbenannt. Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 wurde er vom Dienst suspendiert und die Hotopstraße in Horst-Wessel-Straße umbenannt. Max Hotop zog mit seiner Familie nach Dresden-Weißer Hirsch, wo er am 10. Mai 1945 verstarb.

 
 
 
Otto Rühle - Aktivist der regionalen Fliegerei
 

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(Foto: Nachlaß Otto Rühle)

Otto Rühle wurde am 30. Januar 1896 in Böhla geboren. Er war Sohn eines Eisenbahnbeamten, der als Bahnwärter in Baßlitz arbeitete. Im 1. Weltkrieg meldete er sich zur Fliegertruppe. Nach Ausbildung bei der FEA 6 in Großenhain diente er beim Kampfgeschwader 5 der Obersten Heeresleitung. Von April 1918 bis September 1918 flog Rühle mit der sächsischen Schlachtstaffel 38 Einsätze zur Bekämpfung feindlicher Bodentruppen. Während des Krieges wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und der sächsischen Friedrich-August-Medaille in Silber ausgezeichnet. Gegen Kriegsende war er wieder in Großenhain bei FEA 6 tätig. 1919 diente Otto Rühle als Vizefeldwebel bei der Sächsischen Grenzflieger-Staffel 1, die auch als Truppenfliegerstaffel Bautzen bekannt war. Später gehörte Rühle zu den aktivsten Mitgliedern der Fliegervereinigung Großenhain, für die er u.a. als Schatzmeister tätig war. Nach 1945 verlor er aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft seine Stelle als Standesbeamter. Nach Schlaganfall im Jahr 1952 und Pensionierung verstarb Otto Rühle 1963. Er hinterließ zahlreiche interessante Fotografien aus seinem Fliegerleben.
 
 
 
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