Flugplatzgeschichte Großenhain
  Tornado 2010
 
Am 24. Mai 2010, dem Pfingstmontag, schlug eine Tornadoserie über eine Länge von etwa 100 Kilometern eine Schneise der Verwüstung durch Südbrandenburg und Nordsachsen. Dabei wurde ein sechsjähriges Mädchen getötet und weitere 50 Menschen verletzt. Der materielle Schaden wurde auf 100 Millionen Euro veranschlagt. Der in Großenhain wütende Tornado mit einer Spur von 14-16 Kilometern Länge beschädigte etwa 3000 Gebäude, entwurzelte oder zerbrach Bäume und zerstörte Kraftfahrzeuge. Schwere Schäden entstanden auch an mehreren historischen Gebäuden auf dem Flugplatz Großenhain, die bis dahin noch nicht abgerissen worden waren und zum Teil unter Denkmalschutz standen.

Die vor dem Ersten Weltkrieg erbaute Fliegerkaserne, damals  Mannschaftshaus genannt, und das Familienhaus für Unteroffiziere davor, für welche sich keine Käufer bzw. Nutzer fanden, wurden im Oktober 2010 abgerissen. Hier wurden, wie auch in der Vergangenheit in anderen Fällen, Fördermittel der Europäischen Union in Anspruch genommen. Die Stadt entsorgte damit beide denkmalgeschützte Gebäude, deren Wiederherstellung beträchtliche finanzielle Mittel verlangt hätte.



Mannschaftshaus von Süden her gesehen, Ende Juni 2010
(Foto Sammlung Täger)




Mannschaftshaus Nordseite, Ende Juni 2010
(Foto: Sammlung Täger)




Familienhaus für Unteroffiziere, Ende Juni 2010
(Foto: Sammlung Täger)




Freifläche nach Abriss beider Gebäude, ca. ein Jahr später
(Foto: Sammlung Täger)

Besonders schwer wütete der Tornado auch im Bereich der ehemaligen Papierfabrik, die in den 1920er Jahren auf Teilen des vorherigen Flugplatzgeländes errichtet worden war. Eines der Wahrzeichen der Stadt Großenhain, der 96 Meter hohe Schornstein der Papierfabrik, wurde bis auf einen Stumpf abgerissen und die Baulichkeiten der ältesten Flugzeugwerft Deutschlands mit Verwaltungsanbau sowie der daneben gelegenen ehemaligen Kraftwagenremise der Fliegertruppen schwer beschädigt. Vom Tornado demoliert wurde ebenso die in der Zwischenkriegszeit errichtete Villa, die über Jahrzehnte hinweg Sitz des sowjetischen Flugplatzkommandanten in Großenhain war.




Schornstein der Papierfabrik, in 30 Metern Höhe geborsten
(Foto: Sammlung Täger) 




Blick auf die ehemalige Krafwagenremise mit beschädigtem Dach am Anbau (rechts) sowie im Hintergrund abgedeckter Turm der alten Flugzeugwerft

(Foto: Sammlung Täger)




Beschädigte Villa des Flugplatzkommandanten, Ende Juni 2010
(Foto: Sammlung Täger)

Leider wurde auch die von der Spedition Pflaum GmbH in beispielhafter Weise wieder hergestellte und durch den Kunstmaler Edgar Stengele aus Bamberg liebevoll mit Motiven der Großenhainer Fliegerei bemalte ehemalige Flugzeughalle Nr. 1 (1913/14) durch den Tornado beschädigt.




Schäden an der Halle der Spedition Pflaum GmbH, Ende Juni 2010

(Foto: Sammlung Täger)

Während die letztgenannte Halle repariert wurde, verschwanden andere, im Buch "Flugplatz Großenhain" noch beschriebene, historische Bauwerke der Luftfahrtgeschichte unwiderruflich. Deshalb erscheint im Nachhinein besonders wichtig, dass diese, inzwischen verlorenen Bauwerke, in unserem Buch noch dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden konnten.
 
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